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M. Iljin
5 JAHRE,
DIE
DIE WELT VERÄNDERN
Erzählung vom großen Plan.


Leseprobe:

Zwei Welten
 

Der Aufbauplan eines Landes

Der Fünfjahrplan ist ein Aufbauplan, nicht eines einzelnen, sondern von 2400 Betrieben. Und nicht nur von Betrieben, sondern auch gleichzeitig von Städten, Elektrizitätswerken, Brücken, Schiffen, Eisenbahnlinien, Bergwerken, Staats- und Kollektivgütern, Schulen, Bibliotheken. Das ist ein Entwurf für die Umgestaltung eines ganzen Landes. Nicht ein oder zwei Menschen haben diesen Entwurf ausgearbeitet, sondern Tausende erfahrener Leute. Nicht Dutzende Arbeiter machten sich an die Aufbauarbeit, sondern Millionen.

Zum ersten Mal wurde der Fünfjahrplan im Dezember 1927 beraten, auf dem XV. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion.

Am 1. Oktober 1928 wurde die Durchführung des Planes in Angriff genommen.

Und bereits 1929 war es klar, daß man für die Durchführung des Fünfjahrplans nicht fünf, sondern weniger Jahre brauchen würde.

Einen derartigen Aufbauplan hat es noch nie gegeben.

Gewiß, in den kapitalistischen Ländern gibt es viele große Betriebe – viel mehr als bei uns in der Sowjetunion. Dort gibt es Betriebe, die jede Minute vier Autos herstellen. Dort gibt es Häuser mit sechzig Stockwerken. Eine Million Traktoren arbeiten allein auf den Feldern Amerikas. Die Kapitalisten sind stolz auf ihre Maschinen, auf ihre Fabriken.

Aber wie arbeiten denn diese Fabriken? Ihr glaubt wohl, nach irgendeinem gemeinsamen Plan? Nein, sie arbeiten ohne jeden gemeinsamen Plan.
 

Was dabei rauskommt, wenn man ohne Plan arbeitet

Eines Tages schwamm Mister Fox in Geld – er besaß eine Million Dollars. Aber das Geld darf nicht nur so im Schrank herumliegen. Mister Fox schaut in die Zeitungen, berät sich mit seinen Freunden, stellt Leute an. Die laufen von früh bis spät durch die Stadt, schauen sich um, hören herum. Wie soll man nur das Geld von Mister Fox anlegen?

Schließlich findet man es heraus. Hüte! Das ist was! Hüte gehen wie warme Semmeln. Damit wird man reich. Also los! Und Mister Fox errichtet eine Hutfabrik.

Derselbe Gedanke taucht zur gleichen Zeit auch bei Mister Pox, Mister Crox und Mister Nox auf. Und alle beginnen gleichzeitig, Hutfabriken zu errichten.

Bald entsteht eine Reihe neuer Hutfabriken. Die Hutgeschäfte sind bis oben ran voller Hutschachteln. Die Lager fließen von Hüten über. Überall, allerorts schreien Schilder, Anzeigen, Plakate: Hüte, Hüte, Hüte! Bald hat man viel mehr Hüte hergestellt als notwendig. Doppelt soviel, dreimal soviel. Und immer noch arbeiten die Fabriken mit Volldampf.

Aber jetzt geschieht etwas, woran weder Mister Fox, noch Mister Nox, noch Mister Crox gedacht haben. Die Leute hören auf, Hüte zu kaufen, sie haben sich eingedeckt. Mister Nox senkt die Preise um 20 Cents, Mister Crox um 40 Cents, Mister Fox verkauft die Hüte zu Verlustpreisen, nur um sie loszuwerden.

Trotzdem gehen die Geschäfte immer schlechter und schlechter.

In allen Zeitungen erscheinen Annoncen:

 

Sie haben nur einen Kopf,
aber das heißt nicht,
daß Sie nur einen Hut tragen müssen.
Jeder Amerikaner muß mindestens drei Hüte haben.

Kauft Fox-Hüte!

 

Mister Pox verkauft seine Hüte auf drei Jahre Abzahlung.

Mister Nox kündet einen Ausverkauf an:

 

Nur einen Tag!
Benutzen auch Sie die Gelegenheit!

 

Aber auch das hilft nichts.

Mister Fox senkt die Löhne seiner Arbeiter. Um einen Dollar die Woche. Mister Crox um zwei Dollars die Woche.

Trotzdem gehen die Geschäfte immer schlechter und schlechter.

Da plötzlich - Stopp! Mister Fox legt seinen Betrieb still. Zweitausend Arbeiter werden entlassen und liegen auf der Straße. Tags drauf stellt Mister Nox seinen Betrieb ein. Innerhalb einer Woche stehen fast alle Hutfabriken still. Zehntausende werden arbeitslos. Die neuen Maschinen verrosten. Die Fabriken werden auf Abbruch verkauft.

Ein Jahr vergeht, ein zweites. Die Fox-, Nox- und Croxhüte sind aufgetragen. Wieder beginnt man Hüte zu kaufen. Bald sind aber die Vorräte der Hutgeschäfte erschöpft. Aus den hintersten Winkeln holt man verstaubte Hutschachteln hervor. Es mangelt an Hüten. Die Preise beginnen zu steigen.

Da fängt nun nicht mehr Mister Fox, sondern ein gewisser Mister Dudel ein einträgliches Geschäft an – er macht eine Hutfabrik auf. Aber derselbe Gedanke taucht auch bei anderen gescheiten und tüchtigen Leuten auf – bei Mister Budel, Mister Fudel, Mister Nudel. Und die ganze Geschichte beginnt von neuem.

Wie mit Hüten, geht es auch mit Schuhen, mit Zucker, mit Gußeisen, Petroleum, Kohle. Die Fabriken blähen sich auf wie Seifenblasen, bis sie zerplatzen. Man könnte meinen, die Leute seien von Sinnen.

Weshalb baut Mister Fox eine Hutfabrik? Etwa um Hüte herzustellen? Ganz und gar nicht. Nur um Geld zu machen. Für Mister Fox ist jede Fabrik eine Geldfabrik, eine Profitfabrik.

Und der Arbeiter ist für Mister Fox nicht Arbeiter, nicht Mensch, sondern eine profitbringende Maschine. Eine Maschine aus Gußeisen und Stahl schont man, überlastet man nicht, denn sie kostet ja viel Geld. Die Menschenmaschine dagegen kostet nichts, die Menschenmaschine wird in den kapitalistischen Betrieben immer mit Arbeit überlastet. Hat sich die lebendige Maschine verbraucht, lassen ihre Kräfte nach – raus mit ihr, es finden sich schon andere.

Wir errichten Fabriken, damit die Armut verschwindet, Schmutz, Krankheiten, Arbeitslosigkeit und unmenschliche Arbeit aufhören, damit das Leben vernünftig und gerecht wird. Wir errichten Fabriken, damit wir möglichst viel mechanische Gehilfen – Maschinen – haben, und damit diese mechanischen Gehilfen allen gehören, für alle arbeiten. Wir errichten im Lande eine neue, noch nie dagewesene Ordnung – die sozialistische Ordnung.

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